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Guest Stories         


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A Thai Funeral 2010  

2011 - Guest Story of Jurg - living in Phuket / Thailand

Thailändische Bestattung der Grossmutter, welche wegen ihrem Alter die "Höchste" in der Familie war.

Ich erinnere mich noch an sie, wie sie stets unter dem Vordach ihres Hauses auf einem aus Bambus geflochtenen Podest sass, die einheimische Droge Betelnuss kaute und die wenigen Zähnestummel rotbraun gefärbt waren. Sie war äusserst korpulent und konnte kaum mehr gehen.

Sie bekam das Essen jeweils von den Eltern meiner Thai Frau, welche vis a vis wohnten und sie ass es zusammen mit ihren Katzen.

Sie war 78 jährig, am 9. Juli gestorben. als ich von Zürich nach Bangkok unterwegs war. Also, in Phuket gelandet - geduscht - Flüge gebucht und zurück ging’s nach Bangkok mit Übernachtung im Flughafenhotel und um 0500 weiter nach Ubon Rachantani, dann 2 Std. Taxi nach Ban Tak Kai, am Mekong.

Es war der 2. Tag. Die Leiche war in einem Holzsarg liegend in einem sehr grossen verzierten Blechgehäuse (elektrisch gekühlt) in ihrem Haus aufgebahrt. So etwas wie Kränze schmückten das Ganze. Der Geruch von Räucherstäbchen hing in der Luft. Den ganzen Tag kamen Leute und verabschiedeten sich von der Toten mit kurzen Gedanken, einem Räucherstäbchen und dem Way (Gruss mit 2 Händen). Vor dem Haus auf der Strasse waren Zeltdächer aufgestellt und ununterbrochen den ganzen Tag kochten die Frauen der Familien für die Gäste: Reissuppe. Fischsuppe. Gemüsesuppe. Reis. Gebratenes Huhn und Schwein. Klebreis und natürlich den scharfen Papayasalat. Wasser, Cola und Sprite mit viel
Eis wurde angeboten.

Da ich nicht ewig draussen sitzen mag, bin ich mehrheitlich im Haus vor dem Computer und habe Aircondition hier.
Goy passt das zwar nicht, weil sie mich dann ja nicht "herumzeigen" kann - und ist deshalb manchmal etwas sauer. Wenn wichtige Leute, Lehrer, direkte Verwandte etc. eintreffen, dann holt sie mich halt, um diese zu begrüssen. Das ist eben wichtig.

Es war ein Kommen und Gehen bis früh in den Morgen aber keine Trauerstimmung wie bei uns. Am Abend gab’s auch mal ein Bier oder Spy, und eine Gruppe Männer kam gleich mit einer grossen Flasche Jonny Walker und Soda an.

Die Kremation fand am 3. Tag statt, nachdem alle Familienmitglieder eingetroffen waren. Früh morgens kamen die Mönche in ihren orangen Kleidern vom Kloster (dabei auch Tagesmönche der Familien - u.a. auch der Sohn und ein Bruder von Goy, mit orangem Möchsgewand und kahlgeschoren). Sie beteten kurze Mantras vor dem Sarg mit der Familie und nahmen Geldgeschenke entgegen. Nach kurzer Zeit verschwanden sie wieder.

Irgendwann nach dem Mittag wurde der Blechsarg auf einen Pickup geladen und alle Leute gingen hinter dem Sarg her zum ca. 15 min. entfernten Kloster, verbunden mit einer langen weissen Schnur. Zuerst die Mönche, dann die in weiss gekleideten Kinder und Frauen, dann der Rest der Familie. Die Kleidungsfarben sind mehrheitlich schwarz und/oder weiss.

Ich selbst fuhr mit Goy mit dem Auto zum Kloster (mit Krematorium). Dort wurde wieder gewartet und auch Getränke angeboten. Ich wurde zu einer Gruppe VIPs gesetzt, Lehrer, Behörde, etc., davon sprach die Direktorin einer nahen Oberschule sehr gut englisch und erklärte mir viele Details.

Die Kolonne erreichte das Krematorium, eine Art kleines Klostergebäude mit Kamin und der Blechsarg wurde über eine Treppe auf das Podest vor dem Ofen gestellt. Inzwischen wurde jedem Anwesenden eine kleine Papierblume mit Kerzenstück übergeben. Dann sprachen der Dorflehrer und ein gebildeter Verwandter einige Sätze. (während im Hintergrund ungeniert weiter geplaudert wurde). Als dann ein Mönch ein Gebet (Mantra) sprach wurde es ruhig und alle Leute standen auf.

Daraufhin ging man zum Sarg, machte den Wai verabschiedete sich damit von der Toten und legte die Papierblume auf einen Teller. Dazwischen warf ein Angehöriger 1 Baht-Stücke, eingepackt in Goldpapier in die Menge - die Tote liess Geld regnen. (vor allem die Kinder freuten sich) Beim weggehen wusch sich jeder in einem Kübel die Hände und durfte ein Riechpäckchen mitnehmen, das stark nach Zimt und anderem roch.

Dann wurde wieder geplaudert und schliesslich wurde die Tote im Holzsarg, aus dem Blechsarg vor den Ofen geschoben. Die Verwandten konnten sich nochmals verabschieden. Dann wurde der Ofen geöffnet (so ein überdimensionierter Pizza-Ofen) der Holz-Sarg hineingeschoben und der Ofen geschlossen. Nun fuhr die Tote in den Himmel - und wird irgendwann wiedergeboren.

Dann krachten ein paar Feuerwerkskörper (um die bösen Geister zu vertreiben) und die Versammlung zog wieder zurück zum Haus, wo weitergefeiert bzw. -gegessen wurde. Um ca. 18.00 kamen die Mönche vorbei und alle die Platz hatten zogen in das Haus der Grossmutter. Dort wurde ca. 1/2 Stunde lang von den Mönchen Mantras gebetet. Zum Glück wurde mir wieder ein Stuhl angeboten, welchen ich diesmal (man lernt dazu) dankend annahm. Das Sitzen im Schneidersitz ist gar nicht mein Ding.

4. Tag. Es geht weiter so. Im Haus wurde ein Holzbett hergerichtet mit Liegematratze und mit Bananenblättern ausgelegt und verziert. Noch immer kommen Leute, hängen auch Geldscheine an die Verzierungen und legen ein kleines Kissen zum Bett. Das Ganze soll dann irgendwann zum Kloster gebracht werden und die Mönche können es nutzen.

Inzwischen waren ein paar engste Verwandt nochmals zum Krematorium gefahren, um aus der Asche der Toten allfälligen Schmuck herauszusuchen. Gold trug die Tote offenbar nicht, aber ein Bruder von Goy hatte Glück - er fand einen rostfreien Ring - wenn darin eine Zahl ist, dann wird diese in der Lotterie Glück bringen ..

Gegen Abend sind unter den Zeltdächern fast 200 Leute angekommen und die Küche ist sehr gefordert. Aber alle werden verpflegt und ein richtiges Fest beginnt mit Musik und lautem Geplauder, denn jetzt sieht man ja wieder mal alle Verwandten und Bekannten. Jetzt weiss ich auch, wieso die Frauen den ganzen Tag Essen, riesen Mengen von Fleischbällchen, Gemüse, Hühner, Knoblauch, Kräuter, Papaya, etc. vorbereitet haben. Es gibt nur wenig Alkohol, denn der ist teuer ...

Trotzdem torkeln ein paar ältere Männer umher und suchen nach 80% igem Reisschnaps. Ich ziehe mich um 2200 zum schlafen mit Ohrstöpseln zurück.

5. Tag, das geschmückte Bett im Haus der Verstorbenen ist verschwunden und um 04.30 läutet das Telefon bei Goy. Aufräumen ... Mittags wird nochmals gekocht für die Familie und Helfer, dann liegen alle irgendwo herum... todmüde. Von meinem Nachbarn habe ich erfahren, dass diese Zeremonie üblich ist für sehr alte Leute, und sich die Familien damit oft derart verschulden, dass 2-3 Jahre geborgtes Geld zurückbezahlt werden muss.

Ich war froh, dass es am 14. zurück nach Phuket ging … puuuhh
Aus Ban Tak Kai / Mukdahan am Mekong

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